“Die Landkarte ist nicht die Landschaft”

Dieser Satz wurde von dem Ingenieur, Mathematiker und Philosophen Alfred Korzybski in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts geprägt. Schauen wir uns das doch mal etwas genauer an:

Der Sinn und Zweck einer Landkarte ist es, die Realität in einer für den entsprechenden Zweck der Karte nützlichen Weise abzubilden. So finden wir in einer Autostraßenkarten nicht unbedingt viel Information zu Wanderwegen. Dafür aber Informationen zu Tankstellen, Rastplätzen, Sehenswürdigkeiten. Eine Wanderkarte hingegen enthält vorwiegend Informationen, die für Fußgänger relevant sind, wie z.B. Höhenlinien, Hinweise zur Beschaffenheit von Pfaden und Wegen, Berghütten zur Übernachtung. Und eine militärische Karte enthält wiederum andere Informationen als eine Karte mit geologischem Fokus.

Was aber alle Karten gemeinsam haben: Sie sind nicht die Realität selbst!
Das fängt schon damit an, dass die Realität da draußen dreidimensional ist und die Karte immer nur zweidimensional. Es wird also beim Übergang von der Realität zur Karte eine ganze Menge an Information gelöscht.

Auch die Größe der Karte entspricht in der Regel nicht der Originalgröße der Realität. Üblicherweise wird hier sehr stark verkleinert. Autokarten sind stärker verkleinert als z.B. Wanderkarten, da die Reichweite eines Autos viel größer ist als die eines Fußgängers. Und auch die Krümmung der Erdoberfläche wird durch Projektion geglättet. Und dann sind Autobahnen in der Realität auch nicht blau. In der Karte macht das aber durchaus Sinn, diese Modifikationen vorzunehmen, um die Lesbarkeit und Handhabbarkeit zu vereinfachen. Schließlich werden noch Dinge hinzugefügt, die es in der Wirklichkeit gar nicht gibt, wie z.B. Längengrade, Breitengrade, Planquadrate und Symbole wie z.B. Sehenswürdigkeiten, Wälder, Felder, Gebäude, Höhenlinien, farbige Markierungen. Es werden also beim Übergang von der Realität zur Karte etliche Dinge im direkten Vergleich mit der Realität verändert bzw. verzerrt dargestellt.

Und dann werden gleiche Dinge immer gleich dargestellt: Alle Autobahnen einer Karte sind z.B. immer blau unterlegt, Straßen sind immer Linien mit dunklen Rändern, Landstraßen sind immer rot dargestellt. Landesgrenzen sind immer breite, gestrichelte und halbtransparente Linien. Wälder sind immer grün und Berge immer graubraun. Es werden also beim Übergang von der Realität zur Karte etliche Dinge in immer gleicher Weise, also generalisiert dargestellt.

So weit so gut… aber was hat das jetzt alles mit NLP zu tun?
Die Antwort ist einfach: Das gleiche, was der Kartograph bei der Abbildung der Realität macht, machen wir den ganzen lieben Tag lang, meistens ohne es zu merken. Wenn wir mit unseren fünf Sinnen die Realität wahrnehmen, arbeiten wir ständig mit den genannten drei Filtern: Löschen bzw. Tilgen, Verzerren und Generalisieren.

Wir tilgen oder entfernen diejenigen Dinge aus unserer Wahrnehmung, die uns nicht besonders interessieren, die wir nicht mögen. Und nehmen an, dass das, was wir nicht wahrnehmen auch nicht existiert. Wir nehmen nicht neutral wahr, sondern interpretieren (d.h. wir verzerren) unsere Wahrnehmungen automatisch und passen diese an unsere Erfahrungen an, z.B. hören wir oft nur, was wir hören wollen und nicht das, was gesagt wurde, und wir verallgemeinern (d.h. wir generalisieren) ständig die Dinge, die wir wahrnehmen, um „unsere Welt“ zu vereinfachen.

Das Ergebnis ist eine hochindividuelle Abbildung der Realität in unseren Köpfen, und jeder von uns hat dadurch eine eigene, individuelle Version einer Interpretation der physischen Realität. Es gibt also da draußen mehr als sieben Milliarden Versionen dieser einen, wirklichen, physischen Realität!

Und im NLP nennen wir diese höchstpersönliche Version der Realität unsere innere Landkarte oder mentale Landkarte.